Welche Westernsattel-Größe ist die richtige für mein Pferd und mich?

Gulletweite, Sitzgröße und darüber hinaus

Welche Westernsattel-Größe brauche ich für mein Pferd? Das ist eine gute Frage – die mit einer Zahl oder einem Buchstabenkürzel leider nicht wirklich befriedigend zu beantworten ist. Hier beschreiben wir Gulletweite und Sitzgröße – und erklären, warum die Gulletweite bei der Suche nach Westernsattel, der dem Pferd wirklich passt, bestenfalls ein Anhaltspunkt sein kann.

Welche Westernsattel-Größe ist die richtige für mein Pferd und mich?

1. Erst einmal die Basics – 1. Die Gulletweite

Die Gulletweite, manchmal auch als Forkweite bezeichnet, wird bei Westernsätteln wie eine Art Konfektionsgröße gehandelt:

  • Die Kürzel SFQ, Q, FQ und XFQ (sie stehen für Semi Quarter, Quarter, Full Quarter und Extra Full Quarter) beschreiben schmale, normale, breitere und extrabreite Sättel und nehmen dabei Bezug auf das „normale“ Quarter Horse (Q).

1.1. So wird die Gulletweite gemessen

Als Gullet wird der „Hohlraum“ der Fork bezeichnet, der über dem Widerrist des Pferdes sitzt. Die Gulletweite ist die innere Weite der Fork an ihrem unteren Ende. Das ist gleichbedeutend mit dem Abstand zwischen den Bars (den Auflagepaneelen des Sattels) an der Stelle, wo die Fork in die Bars übergeht.

1.2. Gulletweite von Sattelmarke A ist nicht gleich Gulletweite von Hersteller B

Die Gulletweite kann in Zentimeter oder Inch (ein Inch entspricht 2,54 cm) angegeben werden. Typischerweise sparen die Hersteller sich aber das Zahlenwerk und belassen es bei den obigen Buchstabenkürzeln. Das ist zwar schön einfach – verhindert aber auch den Vergleich zwischen Westernsätteln unterschiedlicher Hersteller. Denn wie viel Inch oder Zentimeter ein Hersteller nun als die richtige Gulletweite für schmale, normale oder breite Pferde erachtet, geht aus einer Größenbezeichnung wie SFQ oder FQ ja nicht hervor. Das heißt, sie können durch Ausmessen von Gulletweite oder Kammerweite Ihres alten Sattels nicht feststellen, ob ein bestimmter Westernsattel in Größe FQ, den Sie im Internet gefunden haben, Ihrem Pferd wohl passen könnte.

(Vielleicht kennen Sie das Problem von deutschen und italienischen Konfektionsgrößen: Eine deutsche Größe 38 entspricht so ungefähr einer italienischen Größe 42. Wenn man Bescheid weiß, kann man sich darauf einrichten – aber wie unterschiedliche Sattelhersteller ihre Westernsattel-Größen wählen, können Sie ja im Vorhinein nicht wissen. Und wir wollen hoffen, dass Sie nicht so viele Fehlkäufe machen, um letztlich zum unfreiwilligen Experten in dieser Frage zu werden...)

  • Kurz gesagt: Da es für Sattelgrößen keine Standards gibt, werden Sie nirgendwo eine Tabelle finden, die die Buchstabenkürzel für die Gulletweite mit konkreten Zahlen in Verbindung bringt. Und ebensowenig eine Umrechnungstabelle zwischen Kammerweite und Gulletweite.

Als Westernsattel-Größe ist die Gulletweite also bestenfalls ein Anhaltspunkt (und schlimmstenfalls ein Rezept für einen drückenden Sattel).

2. Erst einmal die Basics – 2. Die Sitzgröße

Die Sitzgröße ist entscheidend dafür, ob der Sattel dem Reiter passt – ein zu kleiner Sitz engt ein, ein zu großer Sitz gibt keinen Halt. Sitzgrößen werden in Inch angegeben; die Standardsitzgröße bei Westernsätteln ist 16''. Für zierlichere Reiter ist 15,5'' üblich, 15'' ist schon ein Teenagersattel. Größere und/oder kräftigere Reiter wählen bei Konfektionssätteln Größen 16,5'' und 17''.

2.1. So wird die Sitzgröße gemessen

Die Sitzgröße wird üblicherweise vom oberen Rand des Gullets (dort, wo der Sitz in die Fork übergeht) in gerader Linie bis zum höchsten Punkt des Cantles gemessen.

2.2. Einfach? Nicht wirklich.

Auch hier gibt es allerdings wieder das Problem, dass Sitzgrößen nicht ohne weiteres vergleichbar sind. Das liegt einerseits daran, dass die Sitzgröße in Luftlinie gemessen wird – ein tieferer oder flacherer Sitz bietet bei gleicher Sitzgröße effektiv etwas mehr oder weniger Platz. Und andererseits daran, dass sie am „nackten“ Westernbaum gemessen wird, also vor dem Aufbringen der Polsterung. Ein stark gepolsterter Sattel wird demnach effektiv etwas weniger Platz haben als ein sparsam gepolsterter, für den die gleiche Sitzgröße angegeben wird.

Falls Sie vom Dressurreiten kommen, wird Ihnen schon aufgefallen sein, dass es überdies auch einen Unterschied zwischen den typischen Sitzgrößen von Westernsätteln und Dressursätteln gibt – für den Dressursattel ist der Standardsitz nämlich ungefähr 18'' groß. Das liegt nicht daran, dass Dressurreiter in größeren Sitzen reiten – sondern daran, dass die Sitzgröße beim Dressursattel etwas anders gemessen wird als beim Westernsattel. Pi mal Daumen können Sie von Ihrer Dressursattelgröße 2 abziehen, um Ihre Westernsattel-Größe zu ermitteln. Aber nur als erste grobe Abschätzung!

Die Sitzgröße setzt eine Grenze für die minimale Länge des Sattels: Der Sitz befindet sich zwischen Fork und Cantle, und die Bars müssen beim Westernsattel allermindestens von der Fork bis unter den Cantle reichen. Für eine Sitzgröße 16'' (40,64 cm) ergibt sich für den Westernsattel beispielsweise eine Mindestlänge von rund 45 cm (Fork und Cantle selbst haben ja auch noch eine gewisse Dicke).

3. Jenseits der Basics: Wann ein Westernsattel wirklich passt

Als einzige standardmäßig angegebene Maße für die Größe eines Westernsattels legen Gulletweite und Sitzgröße nahe, dass mit ihnen die Sattelabmessungen erschöpfend zu beschreiben wäre. Das ist ein gravierender Irrtum, der für viele Pferde viel Leid mit sich gebracht hat.

Tatsächlich gibt es eine Reihe von Maßen, die in ihrem Zusammenspiel die Passform eines Westernsattels bestimmen.

3.1. Gulletweite und Gullethöhe

Die Gulletweite ist die Weite des Sattels im Schulterbereich; sie bestimmt, ob der Sattel genug Raum für den Widerrist lässt. Aber selbst hierfür ist sie ohne ein weiteres Maß – die Gullethöhe – schon nicht aussagekräftig genug: Der Widerrist braucht nicht nur in der Breite, sondern auch in der Höhe ausreichend Platz.

3.2. Winkelung und Twist

Ein weitere wichtiges Maß ist die Winkelung der Bars. Sie muss auf der gesamten Länge des Sattels möglichst gut mit der Winkelung von Schulter und Rücken übereinstimmen, damit der Sattel möglichst vollständig aufliegt. Ein Sattel mit zu steiler oder zu flacher Winkelung keilt sich mit der unteren oder oberen Kante in Schulter und/oder Rücken.

Da die Schultern bei eigentlich allen Pferden steiler gewölbt sind als die Rippenbögen im weiteren Verlauf des Rückens, muss sich auch die Winkelung der Bars von vorn nach hinten ändern. Dafür steht der Twist, ebenfalls ein unverzichtbares Maß bei der Anpassung eines Westernsattels.

3.3. Rock

Der Schwung – oder westernmäßig Rock genannt – des Sattelbaums passt den Sattel an einen mehr oder weniger gewölbten Pferderücken an. Bei zu großem Schwung kippelt der Sattel, bei zu kleinem bildet er eine Brücke.

3.4. Länge der Bars

Auch die Länge der Bars muss natürlich auf das Pferd abgestimmt werden. Ebenso wie beim englischen Sattel gilt auch für den Westernsattel, dass der Baum nur bis zur letzten Rippe aufliegen darf (die Skirts nehmen weniger Gewicht auf und dürfen daher ein Stück in den Lendenbereich ragen). Sättel, die diese Forderung nicht erfüllen, erzeugen schmerzhaften, krank machenden Druck auf die inneren Organe des Pferdes.

3.5. Nur alle Maße zusammen ergeben einen passenden Sattel

Jedes einzelne dieser Maße ist unverzichtbar wichtig – und keines außer der Gulletweite wird von den Herstellern von Konfektionssätteln angegeben. Widerristfreiheit, Winkelung im Schulterbereich und Länge des Sattels lassen sich – mit etwas Erfahrung! – ganz gut beurteilen, wenn der Sattel auf dem Pferd liegt. Twist und Rock aber kann auch ein Sattler mit bloßem Auge buchstäblich nicht beurteilen.

  • Mit anderen Worten: Jeder Sattel, den Sie ohne Anpassung kaufen, ist eine Überraschungsbox mit möglicherweise gravierenden Folgen für Ihr Pferd.

4. Unser Rat: Sattelkauf nie ohne Anpassung – gerade beim Westernsattel!

Einen Westernsattel anpassen – das kann einerseits das Finden eines passenden Konfektionssattels mit Hilfe eines Sattlers sein. Optimalerweise sollten dabei nicht nur Anproben nach Augenmaß stattfinden. Sehr sinnvoll ist die Vermessung von Pferderücken und Sattel. Auch ein Druckmessungspad ist hilfreich: Es zeigt an, wie gleichmäßig oder ungleichmäßig der Sattel das Reitergewicht verteilt. Da Sie und Ihr Sattler hier mit dem vorhandenen Angebot an Seriensätteln arbeiten müssen, wird der Sattel, für den Sie sich schließlich entscheiden, oft genug ein Kompromiss sein. Und wenn Ihr Pferd nicht unbedingt Standard-Westernmaße hat, kann es gut sein, dass sich kein passender Konfektionssattel findet.

Die andere Art, einen Westernsattel anzupassen, ist die individuelle Anfertigung auf Maß. Hier wird jeder einzelne Passformaspekt des Sattels nach einer Vermessung Ihres Pferdes individuell auf dessen Maße abgestimmt. Das Resultat ist ein optimal passender Sattel.

5. Westernsättel von JvG: Auf Maß gefertigt – und verstellbar!

Üblicherweise bieten maßgefertigte Westernsättel aber leider kaum Möglichkeiten, auf Veränderungen des Pferdes zu reagieren. Baut ein Pferd trainings- oder inaktivitätsbedingt Muskulatur auf oder ab, können sich Schulterweite und Rückenkontur erheblich ändern – und der perfekt passende Maßsattel passt nun gar nicht mehr so optimal. Bei Westernsätteln gibt es keine Polsterung, über die Passformkorrekturen möglich wären; auch die besten Sattelpads können wirklich nur Minimalkorrekturen leisten.

JvG Westernsättel werden individuell an Ihr Pferd angepasst – und sind auch im Nachhinein in der Weite und in mehreren anderen Passformaspekten verstellbar. So passt ein JvG ein Pferdeleben lang optimal – sogar, wenn Sie ihn bereits für Ihr Jungpferd kaufen. Auch die Anpassung eines gebrauchten JvG auf ein anderes Pferd mit ähnlichem Körperbau ist ohne weiteres möglich.

  • SQ, FQ, XFQ? Diese unzulänglichen Angaben für die Westernsattel-Größe haben wir weit hinter uns gelassen. Wir fertigen – und verstellen – unsere Sättel stets nach einer umfassenden Vermessung Ihres Pferdes mit dem EquiScan-Topographen. Dabei kennen wir nur eine Größe: Die, die Ihrem Pferd und Ihnen passt.

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Hier sehen Sie unsere Sattelmodelle – und hier lesen Sie mehr über die Besonderheiten von JvG-Westernsätteln. Unsere Preisliste können Sie hier herunterladen. Wenn Sie einen Termin vereinbaren möchten – oder wenn noch Fragen offen geblieben sind – nutzen Sie gern das Kontaktformular!

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