Back Jockey, D-Ring, Fender – wie bitte? Westernsattel-Aufbau für Neulinge

Diese Teile eines Westernsattels sollten Sie kennen

Für viele Dressurreiter sind die englischen Begriffe, die den Aufbau eines Westernsattels beschreiben, reichlich verwirrend. Hier erfahren Sie in Kürze das Wichtigste zum Westernsattel-Aufbau. Einige Bestandteile des Sattels – wie das typische Horn oder die Skirts – finden sich wirklich nur beim Westernsattel. Da viele andere Teile aber Äquivalente beim englischen Sattel haben, sollte sich das Neuland-Gefühl schon bald wieder legen.

Westernsattel-Aufbau

Fork, Bars, Cantle und Horn: Der Westernsattelbaum und seine Bestandteile

Wie ein englischer Sattel auch, ist jeder Westernsattel rund um einen Sattelbaum aufgebaut. Der heißt hier Tree, und er besteht aus Fork, Bars und Cantle. Die Fork wird mitunter auch Swell oder Pommel genannt – gemeint ist genau das gleiche. Die drei wesentlichen Teile des Westernsattelbaums sind zwar deutlich anders geformt als beim englischen Sattel, entsprechen in ihrer Funktion aber dem Vorderzwiesel, den Trachten und dem Hinterzwiesel oder Efter.

Die Fork bildet einen Tunnel, der Gullet genannt wird. Seine Weite, die Gullet-Weite, ist das Westernsattel-Äquivalent zur Kammerweite: Zusammen mit der Gullet-Höhe bestimmt sie, wie viel Platz der Sattel für den Widerrist des Pferdes bietet.

Oben auf der Fork sitzt das Horn, um das Cowboys früher den Strick knoteten oder wickelten, an dessen anderem Ende sich ein widerspenstiges Rind befand. Das ist heute Geschichte. Im modernen Westernreiten ist das Horn ein ganz nützlicher Griff beim Auf- und Absitzen, und beim Barrel Racing packen Reiter es auch mal, um sich in engen, dynamischen Wendungen zu stabilisieren. Alles in allem ist das Horn heute aber kein wirklich funktionaler Bestandteil eines Westernsattels mehr, und es werden auch Westernsättel ohne Horn angeboten – siehe zum Beispiel den JvG Luxury Endurance.

Der Sitz

Eingerahmt von Fork und Cantle, sitzt der Reiter im meist gut gepolsterten tiefen, halbflachen oder flachen Sitz. Die Sitzgröße eines Westernsattels wird üblicherweise von dem Punkt, wo der Sitz in die Fork übergeht, in gerader Linie bis zum höchsten Punkt des Cantles gemessen und in Zoll angegeben.

Sitzgrößen von Western- und englischen Sätteln sind nicht direkt vergleichbar: Wer im Dressursattel eine Sitzgröße von 18'' hat, braucht bei Westernsätteln wahrscheinlich Größe 16'' – der Unterschied liegt an den unterschiedlichen Standards zur Messung der Sitzgröße bei beiden Satteltypen. Als erste grobe Abschätzung Ihrer Westernsattelgröße können Sie von Ihrer Dressursattelgröße 2 abziehen.

Rigging

Unter Rigging versteht man die Ringe zur Befestigung der Sattelgurte. Westernsättel werden häufig mit einem vorderen und einem hinteren Sattelgurt (Front und Back Cinch) festgeschnallt. Entsprechend haben die meisten Sättel auch zwei Sattelgurt-Ringe. Nach ihrer Form werden sie D-Rings (bzw. Dee-Rings) oder O-Rings genannt; die D-förmigen Ringe findet man häufiger.

Meist sind diese Ringe mit einem kräftigen Lederriemen am Sattelbaum angebracht. Eine Alternative ist die Befestigung an den Skirts – dann spricht man von In-Skirt-Rigging.

Stirrup Leather und Fender

Die Steigbügelriemen des Westernsattels nennt man Stirrup Leather. Sie werden durch einen Schlitz im Sattelbaum gezogen und verbreitern sich an der oben liegenden Seite flächig zum Fender. Dessen Aufgabe ist es, das Reiterbein vor dem Pferdeschweiß zu schützen – die Fender übernehmen also die Funktion des beim Westernsattel nicht vorhandenen Sattelblatts.

Die Spezialschnallen, mit denen die Länger der Stirrup Leather einfach variiert werden kann, nennt man übrigens Blevin Buckle oder einfach Blevins.

Jockeys und Skirts

Zum Westernsattel-Aufbau gehören weiterhin die Skirts – hierzu haben wir einen extra Artikel – und die Jockeys. Die traditionell lammfellbezogenen Skirts bilden die Auflagefläche des Westernsattels. Sie liegen zwischen Sattelbaum und Pferderücken, verhindern, dass die Bars direkt mit dem Rücken Kontakt haben und verteilen das Gewicht von Reiter und Sattel auf einen relativ großen Bereich des Pferderückens (das macht Westernsättel potenziell so (pferde-)rückenfreundlich).

Die Jockeys schließen den Sattel nach oben hin ab: Die rechts und links befindlichen Seat Jockeys sind direkt mit dem Sitz verbunden (das Leder für beide besteht aus einem Stück). Sie verdecken die Ansatzstellen der Steigbügelriemen und der D-Rings. Der Back Jockey ist ein hinter dem Cantle befestigtes Lederstück, das den Sattelbaum nach hinten hin abdeckt.

Der Westernsattel-Aufbau bei JvG

Anders als traditionelle Westernbäume, die aus einem Stück bestehen, sind unsere Bäume modular aufgebaut: Bars und Fork sind bei uns Einzelteile, die mit dem restlichen Baum montiert werden. Dadurch können wir für unsere Bars ein flexibles Material wählen, während der Rest des Baums aus festem Kunststoff besteht. Darüber hinaus haben wir in unsere Fork ein Titanstahl-Kopfeisen integriert, wodurch die Gulletweite unserer Sättel stellbar wird.

Gegenüber klassischen Holz-Westernbäumen (und auch nicht-stellbaren Kunststoff-Westernbäuen) hat unser Sattelbaum mehrere Vorteile:

  • Geringes Gewicht: Der JvG Sattelbaum ist außerordentlich leicht – durch die Verwendung von Kunststoff (und Aluminium für das optionale Horn) können wir gegenüber einem Holzbaum schon ungefähr 2 Kilogramm Gewicht einsparen.
  • Individuelle Anpassung: Der JvG Sattelbaum wird individuell an Ihr Pferd angepasst – dafür nehmen wir zunächst einen Abdruck des Pferderückens mit dem EQUIScan-Topographen und stellen dann Forkweite, Winkelung und Twist der Bars, Wirbelkanalbreite und Schwung des Baums entsprechend ein.
  • Schulterfreiheit: Für Pferde mit viel Schulteraktion können wir die Bars unseres Sattelbaums im Schulterbereich flexibler machen, damit die Schulter in der Bewegung leicht unter den Sattel gleiten kann.
  • Besonders kurz: Bei Bedarf können wir die Bars bis kurz hinter den Cantle kürzen und den JvG Sattelbaum so sehr kurz gestalten: Bis zu 44 cm „Kürze“ sind auf diese Weise machbar.
  • Stellbarkeit: Der JvG Sattelbaum ist in allen wichtigen Passformaspekten immer wieder an Veränderungen des Pferdes bzw. sogar an ein neues Pferd anpassbar.

Soweit – so innovativ. Der Rest ist eigentlich ganz normal: Skirts, Jockeys, Rigging und Fender: natürlich alles dran an einem JvG. Punzierungen und schmückende Conchas: aber gern! Wenn Sie mögen, auch das Horn – wenn nicht, lassen wir es einfach weg.

Man könnte sagen, dass wir darauf spezialisiert sind, Überflüssiges wegzulassen, um besonders leichte, kurze Westernsättel zu bauen – das gilt zum Beispiel für die Skirts, die wir bei unseren Modellen Luxury Endurance und Luxury Western gern bedarfsgerecht „stutzen“. Aber natürlich fertigen wir Ihnen auch einen wuchtigen Wade oder Reiner mit klassischen Square Skirts – sofern er Ihrem Pferd passt.

Interessiert?

JvG Saddle Innovations hat seinen Sitz im bayrischen Freystadt – aber unsere mobilen Sattelanpasser sind bundesweit und sogar im benachbarten Ausland für uns unterwegs. Beim Satteltermin können Sie verschiedene Sattelmodelle probereiten und sich ausführlich beraten lassen.

Hier erfahren Sie noch etwas mehr über JvG Westernsättel. Unsere Preisliste steht hier zum Download bereit. Sie möchten einen Termin vereinbaren? Oder Sie haben noch offene Fragen? Dann nutzen Sie gern das Kontaktformular – wir freuen uns auf Sie!

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