Sattelanpassung nach der Fohlenpause: Worauf Stutenbesitzer achten müssen
Das Fohlen ist abgesetzt, die Weidezeit geht zu Ende – und Sie freuen sich darauf, Ihre Stute wieder unter den Sattel zu nehmen. Nach der langen Pause ist es ein besonderer Moment, die Partnerschaft im Sattel wieder aufzunehmen. Doch nach den tiefgreifenden Veränderungen durch Trächtigkeit und Laktation ist der Körper Ihrer Stute nicht mehr derselbe. Der Sattel, der vor der Fohlenpause perfekt passte, wird nun mit hoher Wahrscheinlichkeit zur Quelle für Unbehagen und kann den Muskelaufbau sogar blockieren.
Der Stutenkörper im Wandel: Eine beeindruckende Transformation
Um zu verstehen, warum die Sattelanpassung jetzt so entscheidend ist, lohnt sich ein Blick auf die beeindruckende Leistung, die der Körper einer Stute vollbracht hat. Dieser Prozess hinterlässt deutliche Spuren, die für die Passform des Sattels entscheidend sind.
Hormonelle Umstellung und ihre Folgen
Während der Trächtigkeit schüttet der Körper das Hormon Relaxin aus, das Bänder und Gewebe – insbesondere im Beckenbereich – lockert, um die Geburt zu ermöglichen. Diese Lockerung betrifft jedoch den gesamten Bandapparat, also auch den der Wirbelsäule, wodurch der Rumpf vorübergehend an Stabilität verliert.
Gewichtszunahme und Muskelabbau
Während der Trächtigkeit nimmt eine Stute bis zu 15 % ihres Körpergewichts zu. Dieses zusätzliche Gewicht belastet die Rückenmuskulatur enorm, zumal das Training in dieser Zeit pausiert. Nach der Geburt folgt die Laktation – eine Phase höchsten Energiebedarfs, in der viele Stuten an Substanz und vor allem an Muskulatur verlieren. Besonders der lange Rückenmuskel (M. longissimus dorsi), der für das Tragen des Reitergewichts essenziell ist, bildet sich oft stark zurück. Das Ergebnis ist ein Rücken, der an Fülle verloren hat, bei dem die Wirbelsäule deutlicher hervortritt und die gesamte Oberlinie eingefallen wirkt.

Diese Veränderungen sind vollkommen natürlich, stellen uns als Reiter aber vor eine neue Herausforderung: Der alte Sattel liegt auf einem völlig neuen Pferderücken.
Die Tücke des alten Sattels: Warum die alte Passform nicht mehr gilt
Einen Sattel auf den untrainierten Rücken einer Stute zu legen, ist vergleichbar mit dem Versuch, in eine Hose zu passen, die man vor Jahren getragen hat – die Form hat sich einfach verändert. Druckstellen, Unwillen beim Satteln oder Taktunreinheiten unter dem Reiter sind oft die ersten Anzeichen für ein Passformproblem.
Wissenschaftliche Studien untermauern diese Beobachtung: Sie zeigen, dass sich die Rückenform eines Pferdes schon durch reguläres Training innerhalb einer Saison um bis zu 30 % verändern kann. Bei einer Stute nach der Fohlenpause ist dieser Wandel noch viel drastischer. Laut einer Studie aus dem Jahr 2014 ist ein unpassender Sattel eine der Hauptursachen für Rückenschmerzen bei Reitpferden.
Häufige Probleme, die jetzt auftreten:
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Brückenbildung: Der Sattel liegt nur noch vorne am Widerrist und hinten im Lendenbereich auf, während in der Mitte ein Hohlraum entsteht. Der Druck konzentriert sich auf wenige, empfindliche Punkte.
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Klemmen an der Schulter: Da die Muskulatur hinter der Schulter abgenommen hat, rutscht der Sattel nach vorne und engt die Schulterbewegung ein. Das Pferd kann nicht mehr frei ausschreiten.
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Wippen: Durch die fehlende Muskulatur hat der Sattel keine stabile Auflagefläche mehr und beginnt bei jeder Bewegung zu wippen, was zu permanenter Reibung und Irritation führt.

Ein Sattel, der jetzt drückt, verursacht nicht nur Schmerzen, sondern hindert die Muskulatur daran, sich überhaupt erst wieder gesund aufzubauen. Es entsteht ein Teufelskreis aus Verspannung und fehlerhafter Bewegung.
Der richtige Weg zurück: Geduld und schrittweise Anpassung
Der Wiederaufbau der Tragemuskulatur ist ein Marathon, kein Sprint. Es dauert Monate, bis Ihre Stute wieder die Kraft und Substanz entwickelt hat, um Sie mühelos zu tragen. In dieser Zeit verändert sich ihr Rücken kontinuierlich. Ein starrer Sattel, der vielleicht zu Beginn des Trainings angepasst wurde, wird wenige Monate später schon wieder zu eng sein.
Die zentrale Herausforderung ist also, einen Sattel zu finden, der nicht nur auf den aktuellen Zustand des Rückens passt, sondern auch die positive Entwicklung der Muskulatur zulässt und fördert. Er muss sozusagen mit dem Pferd „mitwachsen“ können.
Flexible Sattelsysteme als Lösung für den Muskelaufbau
Genau hier setzen moderne, anpassbare Sattelkonzepte an. Anstatt in kurzen Abständen einen neuen Sattel kaufen oder den alten teuer umpolstern lassen zu müssen, erlauben flexible Systeme, den Sattel an die jeweilige Entwicklungsphase des Pferdes anzupassen.
Unsere Erfahrung aus über 20 Jahren in der Sattelentwicklung zeigt, dass gerade in solchen Phasen der Veränderung anpassbare Systeme ihre Stärken ausspielen. Ein Sattel kann zum Beispiel über spezielle Pads oder eine veränderbare Auflagefläche an die wachsende Muskulatur angepasst werden. So kann die Schulter jederzeit frei arbeiten und kein punktueller Druck stört den Muskelaufbau. Gerade bei Pferden mit einem naturgemäß kurzen Rücken ist es entscheidend, dass der Sattel kompakt bleibt und die Lendenpartie frei lässt.

Solche Systeme entlasten Pferdebesitzer, da sie nicht ständig über eine Neuanschaffung nachdenken müssen. Stattdessen begleiten sie Pferd und Reiter durch den gesamten Trainingsprozess und sind eine langfristige, pferdegerechte Lösung.
Häufige Fragen (FAQ) zur Sattelanpassung bei Zuchtstuten
Ab wann nach dem Absetzen kann ich wieder mit dem Reiten beginnen?
Die wichtigste Voraussetzung ist das grüne Licht von Ihrem Tierarzt. Beginnen Sie langsam mit Bodenarbeit und Longieren, um die Muskulatur schonend vorzubereiten. Die ersten Einheiten unter dem Sattel sollten kurz sein und sich auf gerade Linien im Schritt konzentrieren.
Wie oft sollte ich den Sattel in der Aufbauphase kontrollieren lassen?
In der intensiven Aufbauphase (die ersten 6–9 Monate) ist eine Kontrolle alle 3–4 Monate sinnvoll. Sobald sich die Muskulatur stabilisiert hat, reichen die üblichen jährlichen Intervalle.
Mein alter Sattel scheint noch zu passen. Kann ich ihn nicht einfach mit einem dicken Pad unterpolstern?
Davon raten wir dringend ab. Ein dickes Pad kaschiert die Probleme nur oberflächlich. In Wirklichkeit macht es einen zu engen Sattel noch enger und einen instabilen Sattel noch wackeliger. Es kann die Druckverteilung sogar verschlechtern und ist keine Lösung für eine falsche Grundpassform.
Welche Rolle spielt die korrekte Gurtung?
Sie spielt eine sehr große Rolle. Achten Sie darauf, dass der Gurt nicht zu weit vorne liegt und die Ellenbogenfreiheit einschränkt. Ein anatomisch geformter Gurt kann hier helfen. Zudem ist es wichtig, den Sattel stets korrekt zu positionieren und gleichmäßig anzugurten.
Ihr Weg zu einem gesunden Reitstart
Der Wiedereinstieg nach der Fohlenpause ist eine wunderbare, aber auch sensible Phase. Der Schlüssel zum Erfolg liegt in Geduld, genauer Beobachtung und der richtigen Ausrüstung. Ein Sattel, der sich an die körperlichen Veränderungen Ihrer Stute anpassen lässt, ist keine Ausgabe, sondern eine Investition in ihre Gesundheit und Leistungsbereitschaft. Er gibt ihr die Freiheit, sich unter Ihnen wieder zu einem starken, losgelassenen Reitpferd zu entwickeln.
Wenn Sie unsicher sind und Ihrer Stute den bestmöglichen Start zurück ins Reitpferdeleben geben möchten, ist eine fachkundige Beratung Gold wert. Ein erfahrener Berater kann die Situation vor Ort beurteilen und Ihnen helfen, die richtige Lösung für diese besondere Phase zu finden.
Stellen Sie sicher, dass der Sattel Ihrer Stute den Weg in ein gesundes Reitpferdeleben optimal unterstützt. Vereinbaren Sie gern einen unverbindlichen Beratungstermin mit einem unserer Experten.