Knieschmerzen nach dem Reiten? Die optimale Fender-Position für eine gesunde Beinachse
Ein langer, entspannter Ausritt liegt hinter Ihnen, doch kaum steigen Sie aus dem Sattel, meldet sich ein vertrauter, ziehender Schmerz im Knie. Viele Reiter kennen dieses Gefühl und akzeptieren es als unvermeidlichen Teil ihres Hobbys.
Doch was, wenn die Ursache nicht bei Ihnen, sondern in der Konstruktion Ihres Sattels liegt? Ein oft übersehenes Detail – die Position der Fenderaufhängung – hat entscheidenden Einfluss auf Ihre Gelenke und kann über schmerzfreien Reitgenuss oder chronische Beschwerden entscheiden.
Warum das Knie oft zum Schwachpunkt wird: Ein Blick auf die Reiter-Anatomie
Knieschmerzen sind unter Reitern weit verbreitet. Studien, unter anderem von der Sporthochschule Köln, belegen dies eindrücklich: Bis zu 60 % der Reiter klagen über wiederkehrende Schmerzen im Bewegungsapparat. Mit rund 35 % sind die Knie dabei die am häufigsten betroffene Region, gefolgt von der Hüfte.
Die Hauptursache ist oft eine dauerhafte Fehlbelastung, die durch unpassende Ausrüstung erzwungen wird.
Stellen Sie sich Ihr Kniegelenk wie ein einfaches Türscharnier vor. Es ist für eine stabile Beuge- und Streckbewegung nach vorn und hinten ausgelegt. Rotations- und Seitwärtsbewegungen hingegen belasten Bänder, Sehnen und Knorpel enorm. Genau diese ungesunde Verdrehung wird jedoch durch viele klassische Westernsättel provoziert.
Der unsichtbare Hebel: Wie die Fenderaufhängung Ihre Beinachse beeinflusst
Der entscheidende Faktor für eine gesunde Beinposition ist der Punkt, an dem der Fender am Sattelbaum befestigt ist. Dieser Aufhängepunkt bestimmt, wie Ihr Bein vom Hüftgelenk bis zum Steigbügel fällt – und ob es dabei verdreht wird.
Der Klassiker: Die mittige Aufhängung
Bei den meisten traditionellen Westernsätteln ist der Fender mittig unter dem Sitz des Reiters aufgehängt. Das bedeutet, Ihr Bein muss sich aktiv vom Sattel wegdrehen, um den Steigbügel zu erreichen. Diese erzwungene Auswärtsdrehung führt zu einer O-Bein-Stellung.
Die Folge ist eine permanente Rotationsspannung, die von der Hüfte über das Knie bis zum Fußgelenk reicht. Ihr Knie wird bei jeder Bewegung des Pferdes und bei jedem Einsatz Ihrer Schenkelhilfen leicht verdreht und unnatürlich belastet.
Die Forschung zeigt, dass sich der Druck auf das Kniegelenk bei einer solchen fehlerhaften Fenderposition um bis zu 200 % erhöhen kann. Diese enorme Zusatzbelastung ist oft die direkte Ursache für Schmerzen und langfristigen Gelenkverschleiß.
Die Lösung: Eine vorverlagerte Aufhängung
Moderne, ergonomisch durchdachte Sättel verlagern diesen Aufhängepunkt weiter nach vorn und außen. Der Fender hängt dadurch nicht mehr direkt unter Ihrem Oberschenkel, sondern davor.
Ihr Bein kann dadurch ganz natürlich und gerade aus der Hüfte nach unten fallen. Der Fender schwingt frei, ohne Ihr Bein nach außen zu drücken. Die Beinachse von der Hüfte über das Knie bis zum Knöchel bleibt gerade und stabil.
Sie müssen nicht mehr gegen den Sattel arbeiten, um eine korrekte Position zu halten. Die ungesunde Verdrehung im Knie entfällt, die Gelenke werden entlastet.

Mehr als nur Komfort: Die Vorteile einer korrekten Fenderposition
Eine optimierte Fenderposition ist weit mehr als nur eine Lösung gegen Knieschmerzen. Sie verbessert Ihr gesamtes Reiterlebnis fundamental.
- Entlastung für Knie und Hüfte: Der offensichtlichste Vorteil. Die Belastung sinkt auf ein natürliches Maß, was Schmerzen vorbeugt und auch Reitern mit Vorschädigungen oft wieder unbeschwertes Reiten ermöglicht.
- Feinere Hilfengebung: Ein Bein, das nicht ständig gegen den Sattel kämpfen muss, ist ein entspanntes Bein. Ihre Hilfen können dadurch viel präziser und subtiler erfolgen. Das Pferd spürt feinste Gewichts- und Schenkelhilfen, was die Kommunikation deutlich verbessert.
- Besserer Sitz und Balance: Wenn Ihre Beine entspannt und in einer natürlichen Position liegen, verbessert sich automatisch Ihr gesamter Sitz. Sie sitzen tiefer, ausbalancierter und sicherer im Sattel. Während die Fenderposition den Reitersitz optimiert, ist die korrekte Sattelpassform für das Pferd die Grundlage für jede harmonische Bewegung.
FAQ – Häufige Fragen zur Fenderposition und Knieschmerzen
Kann ich die Fender an meinem alten Sattel einfach verstellen?
In der Regel leider nicht. Der Aufhängepunkt des Fenders ist ein fester, konstruktiver Bestandteil des Sattelbaums. Eine Veränderung ist nicht vorgesehen und würde die Statik des Sattels gefährden. Die Lösung liegt daher meist in einem von Grund auf anders konstruierten Sattel.
Helfen gedrehte Steigbügelriemen („Twisted Fenders“) auch?
Ein „Twist“ in den Fendern entlastet vor allem das Fußgelenk, da der Steigbügel bereits in die richtige Position gedreht ist. Das ist ein guter erster Schritt und erhöht den Komfort. Das grundlegende Problem der Beinachsen-Verdrehung, das vom Aufhängepunkt am Sattelbaum ausgeht und primär Knie und Hüfte betrifft, löst dies jedoch nicht.
Gilt dieses Problem nur für Westernsättel?
Das Prinzip der Beinachse gilt für alle Reitweisen. Bei Westernsätteln ist das Problem durch die breite Bauweise und die starren, breiten Fender jedoch besonders ausgeprägt. Bei Englischsätteln mit ihren schmalen Steigbügelriemen hat das Bein mehr Freiheit, weshalb das Problem dort seltener in dieser Form auftritt.
Wie finde ich heraus, welcher Sattel die richtige Fenderposition für mich hat?
Der beste Weg ist das Probesitzen und -reiten. Achten Sie darauf, wie Ihr Bein fällt. Fühlt es sich natürlich an oder müssen Sie es aktiv nach außen drehen? Ein guter Berater kann die Unterschiede direkt am Pferd demonstrieren. Je nach Reitweise und Körperbau kann ein anderes Sattelmodell die beste Lösung für eine optimale Ergonomie von Reiter und Pferd sein.
Fazit: Nehmen Sie Knieschmerzen nicht als gegeben hin
Knieschmerzen nach dem Reiten sind kein Schicksal, sondern oft ein klares Signal dafür, dass die Ausrüstung nicht zur Anatomie des Reiters passt. Eine korrekt positionierte Fenderaufhängung ist ein entscheidender Baustein für gesundes und feines Reiten. Sie entlastet nicht nur Ihre Gelenke, sondern ermöglicht auch eine bessere Kommunikation mit Ihrem Pferd und einen ausbalancierteren Sitz. Es lohnt sich, dieses Detail bei der Sattelwahl genau zu betrachten – Ihre Knie werden es Ihnen danken.
Möchten Sie selbst erleben, wie eine optimierte Fenderposition Ihre Gelenke entlastet? Finden wir gemeinsam die passende Lösung für Sie und Ihr Pferd. Vereinbaren Sie einfach einen persönlichen Beratungstermin, um Ihre Situation zu analysieren.